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Primärqualifizierendes Pflegestudium: Bachelor direkt nach der Ausbildung

7 Min. LesezeitAktualisiert: 11. Juli 2026

Pflege studieren und gleichzeitig den Berufsabschluss machen — das klingt fast zu gut, um wahr zu sein. Das primärqualifizierende Pflegestudium macht es möglich. Seit dem Pflegeberufegesetz 2020 gibt es diesen Weg: Du studierst Pflegewissenschaft oder Pflege (B.Sc.) an einer Hochschule und absolvierst dabei eine vollständige Berufsausbildung. Nach vier Jahren hast du zwei Abschlüsse: das staatliche Examen als Pflegefachkraft und deinen Bachelor. Alles dazu erklärt dieser Artikel.

Was ist das primärqualifizierende Pflegestudium?

Das primärqualifizierende Pflegestudium (auch: hochschulische Pflegeausbildung, akademische Pflegeausbildung) nach § 38 PflBG kombiniert eine vollständige Pflegeausbildung mit einem Bachelor-Studium. Anders als bei einem berufsbegleitenden Studium (das du nach der Ausbildung drauflegst) ist hier die Ausbildung von Anfang an ins Studium integriert.

Zwei Abschlüsse in vier Jahren

Am Ende des Studiums erhältst du: (1) das staatliche Examen als Pflegefachfrau / Pflegefachmann und (2) den akademischen Bachelor of Science (B.Sc.) in Pflegewissenschaft oder einem verwandten Studiengang. Beide Abschlüsse sind vollwertig und unabhängig voneinander einsetzbar.

Dauer und Aufbau

Das Studium dauert in der Regel 4 Jahre (8 Semester). Im Vergleich zur dreijährigen Ausbildung ist ein Jahr mehr eingeplant — dieses vierte Jahr widmet sich vertiefenden Studieninhalten wie Pflegewissenschaft, Forschungsmethoden, Gesundheitspolitik und Führungskompetenz.

Struktur des primärqualifizierenden Pflegestudiums
JahrSchwerpunkte
Jahr 1Grundpflege, Anatomie, Pflegetheorien, erste Praktika (wie Ausbildung)
Jahr 2Vertiefung klinische Praxis, Kommunikation, Pflegeprozess, Forschungsgrundlagen
Jahr 3Spezialbereiche (Intensiv, Psychiatrie, Pädiatrie), Vertiefungseinsatz
Jahr 4Pflegewissenschaft, Evidenz-basierte Praxis, Leadership, Bachelor-Thesis

Hochschulen, die das Studium anbieten

Das primärqualifizierende Pflegestudium ist noch relativ neu und wird nicht an allen Hochschulen angeboten. Hier eine Auswahl etablierter Anbieter (Stand 2026):

  • Hochschule für Gesundheit Bochum (hsg) — Pionier des Programms in Deutschland
  • Charité Universitätsmedizin Berlin — renommierter klinischer Partner
  • Hochschule Osnabrück — Pflegewissenschaft praxisnah
  • DHBW (Duale Hochschule Baden-Württemberg) — duale Studienform
  • Fliedner Fachhochschule Düsseldorf — kirchlicher Träger
  • SRH Hochschule — mehrere Standorte bundesweit
  • Evangelische Hochschule Nürnberg (EVHN)

Die Anzahl der Studienplätze wächst schnell: Bis 2030 sollen laut Bund-Länder-Vereinbarung 10 % aller neuen Pflegefachkräfte akademisch ausgebildet sein.

Voraussetzungen für das Studium

  • Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder Fachhochschulreife
  • Alternativ: Berufliche Qualifikation, die zum Studium berechtigt
  • Gesundheitliche Eignung (ärztliches Attest)
  • Deutschkenntnisse B2 (meist C1 empfohlen)
  • Ggf. Numerus Clausus (NC) je nach Hochschule und Studiengang
  • Bewerbungsfristen beachten: oft bis 15. Juli für WiSe

Vergütung und Finanzierung

Das ist eine der häufigsten Fragen: Bekomme ich Geld während des Studiums? Die Antwort ist: Es kommt darauf an.

Finanzierungsmodelle im primärqualifizierenden Pflegestudium
ModellVergütungVerpflichtung
Vergütetes Studium (Praxispartner)800–1.100 € / MonatBindung an Einrichtung nach Abschluss (1–2 Jahre)
Ohne Praxispartner (selbst finanziert)0 € vom TrägerKein Bindungsvertrag, volle Flexibilität
BAföGBis 992 € / Monat (2026)Rückzahlung bis 10.010 € nach Studium
Stipendien (z. B. Deutschlandstipendium)300 € / Monat steuerfreiLeistungsnachweis

Nicht alle Hochschulen arbeiten mit Praxispartnern

Prüfe vor der Bewerbung, ob deine Wunsch-Hochschule ein Vergütungsmodell mit Praxispartnern hat. Ohne Praxispartner musst du das Studium selbst finanzieren (BAföG, Stipendium, Nebenjob).

Karrierechancen nach dem primärqualifizierenden Studium

Mit Bachelor-Abschluss und Staatsexamen öffnen sich Türen, die reinen Ausbildungsabsolventen verschlossen bleiben:

  • Leitungspositionen (Stationsleitung, PDL) oft früher als ohne Studium erreichbar
  • Direkter Zugang zu konsekutiven Master-Studiengängen (Pflegemanagement, Advanced Nursing Practice)
  • Wissenschaftliche Karriere (Forschung, Hochschullehre, Promotion möglich)
  • Spezialisierte klinische Rollen (Advanced Practice Nurse, klinische Expertise)
  • International: in UK, Skandinavien, Schweiz sind akademische Pflegekräfte die Norm
  • Gehalt: Studierte Pflegekräfte werden von einigen Trägern höher eingruppiert

Primärqualifizierendes Studium vs. klassische Ausbildung: Was ist besser?

Vergleich: Studium vs. Ausbildung
KriteriumStudium (B.Sc.)Klassische Ausbildung
Dauer4 Jahre3 Jahre
AbschlussExamen + BachelorExamen
Vergütung während Ausbildung/Studium800–1.100 € (mit Partner)950–1.350 € (TVöD)
Karrierechancen FührungSehr gut (früh), Master möglichGut (mit Erfahrung + Weiterbildung)
Wissenschaftliche KarriereDirekt möglichNur über Nachstudium
PraxisanteilWie Ausbildung (2.500+ h)Wie Ausbildung (2.500+ h)

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen primärqualifizierendem und berufsbegleitendem Pflegestudium?+

Beim primärqualifizierenden Studium machst du Ausbildung und Bachelor gleichzeitig (4 Jahre). Beim berufsbegleitenden Studium bist du bereits Pflegefachkraft und studierst daneben (meist 4–6 Semester).

Welchen Schulabschluss brauche ich für das Pflegestudium?+

Abitur oder Fachhochschulreife ist die Regel. Manche Hochschulen akzeptieren auch berufliche Qualifikationen, die das Studium ermöglichen.

Bekomme ich während des Studiums Geld?+

Das hängt vom Modell ab: Mit einem Praxispartner-Vertrag 800–1.100 €/Monat; ohne Praxispartner finanzierst du dich über BAföG (bis 992 €) oder Stipendien.

Welche Hochschulen bieten das primärqualifizierende Pflegestudium an?+

Unter anderem hsg Bochum, Charité Berlin, Hochschule Osnabrück, DHBW, SRH Hochschule und Fliedner FH Düsseldorf. Das Angebot wächst stetig.

Kann ich nach dem Bachelor noch einen Master machen?+

Ja, direkt. Konsekutive Master-Studiengänge wie Pflegemanagement, Advanced Nursing Practice oder Pflegewissenschaft bauen auf dem Bachelor auf.

Ist das primärqualifizierende Studium besser als die klassische Ausbildung?+

Es ist breiter und eröffnet mehr Wege (Wissenschaft, Leadership), dauert aber ein Jahr länger. Wer sofort arbeiten will oder sicher ist, im Pflegealltag bleiben zu wollen, ist mit der klassischen Ausbildung gut beraten.

Gibt es einen NC für das Pflegestudium?+

Ja, an einigen Hochschulen gibt es einen NC — er ist aber meist moderat (oft über 2,5). An anderen Hochschulen entscheiden Auswahlgespräche oder Tests statt Abiturnote.

Wird das Staatsexamen genauso abgelegt wie bei der klassischen Ausbildung?+

Ja, am Ende legst du dasselbe Staatsexamen ab (schriftlich, mündlich, praktisch) und erhältst denselben staatlich anerkannten Abschluss als Pflegefachfrau / Pflegefachmann.

Wie viel verdiene ich nach dem primärqualifizierenden Studium?+

Das Grundgehalt in der Pflege ist zunächst ähnlich wie bei klassisch Ausgebildeten (P7 im TVöD). Manche Träger gruppieren aber höher ein oder zahlen akademische Zulagen. Der Vorteil liegt langfristig in der Qualifikation für Führungspositionen.

Gibt es das Studium auch in Teilzeit?+

Einige Hochschulen bieten Teilzeitmodelle an, die dann 5–6 Jahre dauern. Das ist vor allem für Eltern oder Berufswechsler interessant.

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